Satsang Kolumne: Was treibt zu Glück an?

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Heute beantwortet Dr. Moon Hee Fischer die Frage: “Was treibt zu Glück an?”

Gustav: Ich kämpfe mein Leben lang immer wieder mit tiefer Traurigkeit / Depression. In längeren depressiven Phasen kommt immer wieder der Punkt, an dem ich versuche, einfach JA zu sagen – das Leid anzunehmen – auch weil das Dagegenhalten enorm Kraft kostet. Auf Dauer will aber etwas in mir diesen Zustand nicht akzeptieren. Was treibt den Menschen zu Glück an? Es muss mehr sein als der blanke Selbsterhaltungstrieb…

Dr. Moon Hee Fischer: Die Natur des Lebens ist leben zu wollen – und Leid und Schmerz zu vermeiden. Dies kann man aus evolutionärer Betrachtung, im Sinne von mechanischen Abläufen, “einfach” erklären. Jedoch ist der Mensch keine Maschine, die so konzipiert ist, dass sie um jeden Preis überleben will, auch wenn es tragischerweise so erscheinen mag. Alle Lebewesen, groß oder klein, lieben das Leben. Deshalb sollte man einander nicht schaden, sondern achten und helfen. Albert Schweitzer, Arzt, Theologe, Philosoph und Pazifist, spricht von der Ehrfurcht vor dem Leben. Schön formuliert er: “Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.”

Leben ist Zusammensein

Der Mensch ist nicht nur eine Anhäufung von Atomen und Molekülen und auch nicht allein von Trieben gesteuert. Leben entsteht durch Komplexität: Es ist Verbundenheit, Beziehung und Ganzheit. Der Psychiater Thomas Fuchs sagt: “Leben bzw. er-leben ist das Vermögen zur optimalen Kohärenz, die nur im Kontext eines Ganzen mög­lich ist. Bruchstücke ergeben nun mal keinen Kreis.” Lose Teile ergeben kein Ganzes, sondern die Verbindung zwischen ihnen. Im Ganzen, dem Verbund von Einzelnem, liegt also Leben und im Ganzen liegt Heilung. Denn heil ist etwas, wenn es ganz ist. Das Ganze oder die Ganzheit kann aber niemals von einem materiellen Standpunkt erkannt und noch weniger erfahren werden. Als Verbundenheit schlechthin ist es eine geistige Größe, eine Haltung, die weit über alles Physische hinausgeht.

Das Problem des Menschen ist aber, dass er sich nicht als etwas Spirituelles in ein größeres Ganze eingebettet wahrnimmt. Indem er sich hauptsächlich mit seinem Körper identifiziert, der zwar einen Funken Geist besitzt, reduziert er sich zu einem begrenzten und isolierten Objekt, welches in sich selbst zerrissen ist. Er macht sich kleiner als er ist. Und darin liegt die Krankheit des Menschen. In seiner Minderwertigkeit ist er schizophren: Einerseits fühlt er sich hilflos und nie gut genug und leidet an Versagensängsten, und andererseits weiß er alles besser, kann nichts annehmen und neigt zu Überheblichkeit. Diese Zustände wechseln sich ab: Mal ist man ein Nichts, mal unterliegt man einem Größenwahn, mal steckt man ein, mal teilt man aus.

Raus aus dem Hin- und Hergerissen-Sein

Dieses Hin- und Her ist der Selbstentfremdung, einhergehend mit dem Gefühl der Verlorenheit, geschuldet. Und was ist Depression anderes als das Gefühl von totaler Verlorenheit und Hoffnungslosigkeit? Der Depressive hat den “Anschluss” verloren, zu sich selbst und zu anderen. Das eine bedingt das andere. Der Verlust, sich eins und verbunden zu fühlen, hat die Fähigkeit zu vertrauen und Offenheit zu leben, in einen schmerzhaften Kampf des Überlebens gewandelt. Statt “Zweisamkeit” (Austausch und Beziehung) herrscht Einsamkeit.

Die innere Einsamkeit, das Gefühl des vollkommenen Alleinseins, ist der größte Feind des Menschen. Hier entstehen alles Leid und alles Schlechte. Denn der Mensch ist keine Insel. Oder wie Martin Buber, jüdischer Religionsphilosoph, so wunderbar ausdrückt: “Der Mensch wird am Du zum Ich”. Der Mensch ist ein Gemeinschafts- und Beziehungswesen. Das Grundbedürfnis des Menschen ist Bezogenheit und die Antwort darauf ist die Liebe. Ich werde nicht müde zu betonen, dass Liebe keine Sentimentalität oder ein romantisches Stelldichein ist; auch ist sie kein Produkt hormoneller Vorgänge im Gehirn und überhaupt ist sie kein Ding. Deshalb kann man Liebe auch nie besitzen. Die Liebe zeigt sich gerade darin, dass man sie freilässt. Sie ist das, was verbindet und Einheit schafft. Sie ist das große Ja, das wir brauchen, wenn wir wirklich leben und nicht nur überleben wollen. Sie treibt zu Glück an.

Ganzheit in der Fülle leben

In der Depression sind wir jedoch in uns selbst gefangen, verschlossen und getrennt vom Rest der Welt. Wo Austausch und Verbundenheit sein sollte, ist nur noch eine traurige Leere. Glücklichsein bedeutet aber Fülle und diese ist nur durch Ganzheit möglich. Hingegen ist die Depression ganz von dem Gefühl eines Fehlens getragen, ob wir uns dessen, was fehlt, bewusst sind oder nicht. Selbsterhaltungstrieb, Lust und oberflächliche Freude sind Stückwerk und treffen weder die Tiefe noch die Weite von wahrhaftigem Glück. Wir Menschen wollen nicht aus egoistischen Gründen glücklich sein, wir wollen Glück empfinden, weil wir uns verbunden, ganz und eins fühlen wollen.

Das Glück ist keine Einbahnstraße und noch weniger eine Sackgasse. Das Glück wandelt auf der Straße der Zugehörigkeit und des Miteinanders. Oder anders gesagt: “Keine Straße ist lang mit einem Freund an der Seite.” (Rainer Maria Rilke) Jedoch um das zu genießen, muss man erst einmal mit sich selbst Freundschaft schließen. Zum Glücklichsein wie zur Liebe bzw. zur Ganzheit braucht es ein wenig Mut: Man muss sich der Einheit und der Freude Wert sein.

Lies mehr zum Thema “Was treibt zu Glück an?”: Kann man sich selbst lieben, ohne egoistisch zu sein?

moonhee

Wenn auch du eine Frage loswerden willst, schreibe einfach eine Email an redaktion@yogaworld.de.

1Vgl.Thomas Fuchs 2017, 133.


Satsang

Dr. Moon Hee Fischer ist promovierte Religionsphilosophin und arbeitet im Bereich der alternativen Heilung. Ihre Schwerpunkte sind mediale Supervision und „Der Weg des Friedens„. Ihre Verknüpfung „spirituelle Medialität und wissenschaftlicher Anspruch“ eröffnet nicht nur neue, interessante Ansätze für ein ganzheitliches Bewusstsein, sondern betont vor allem die Fähigkeit der Offenheit und das Mit- und Füreinander – “denn nichts existiert unabhängig voneinander”. // Titelbild: Foto von Noelle Otto von Pexels

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